Prenzlauer Berg nach der Wende  

Nach der 'Wende', der deutschen Wiedervereinigung 1989, entschied sich Hélène Bernard, nach Ost-Berlin zu ziehen und in Berlin-Prenzlauer Berg zu wohnen. Sie wollte die 'Wendezeit' dort direkt erleben.

Nach einer gewissen Zeit wirkte das zerstörte Umfeld auf Hélène Bernard nicht mehr spannend sondern entwickelte sich zum deprimierenden Faktor. Als Architektin betrachtete sie die Gebäude ständig als Ganzes - als zerstörte Einheit. Das führte zu einem negativen Eindruck und wurde zu einer alltäglichen Last.

Trotzdem war ihr wichtig, im Prenzlauer Berg zu bleiben. Doch sie musste ihren Blickwinkel ändern, um ihre Umgebung neu zu entdecken: Sie betrachtete Gebäude und Straßenfelder nicht mehr als Ganzes, sondern aus den Details heraus.

Genau betrachtet, waren die Fassaden farbig und lebendig. Denn als Zeichen eines weiteren „normalen" Lebens strichen die Bewohner der Wohnungen oft ihre Balkone bunt an oder tapezierten sie sogar. Viele Blumen oder lustige Objekte hingen an den Balkongeländern. Es ging darum, die zerschlagenen Fassaden lebendig oder sogar lustig zu machen.
Wie beim Fotografieren beobachtete Hélène Bernard dann die Details mit einem vorgestellten Rahmen. Ausgesuchte Abschnitte wurden abstrakte Kunst. Es begann ein endloses Spiel. Aus diesen Perspektiven entstand später eine fotografische Arbeit.

„Ich musste nicht mehr unter meiner alltäglichen Umgebung leiden sondern interpretierte sie ständig neu. Ich amüsierte mich damit, beim Fahrradfahren oder beim Spazierengehen abstrakte Bilder zu finden oder zu konstruieren."

In den ausgesuchten Details finden sich Spuren der Gebäudegeschichte und ihre heutige Nutzung: Die Farbe und der Putz sind abgeblättert oder ganz weg, der Rohbau schimmert durch, manchmal liegen die konstruktiven Teile und Bauträger sogar offen. In diesem Prozess war der Dreh des Filmes „Le Berlin d’Hélène"1 für das französische Fernsehen ein auslösendes Moment. Der Film war die Gelegenheit für Hélène Bernard, über dieses „intime" Konzept zu diskutieren, es verständlich zu machen und zu vertiefen.

1« Le Berlin d’Hélène », Nathalie Dollé, Saga Cités, 26 mm, 1997