Berlin vor der Wende  

Eine besondere Rolle als inspirierender Ort spielt Berlin. Die besondere Situation der Stadt führt dazu, dass ein Teil ihrer Bewohner nach Identifikationsmöglichkeiten sucht und sich wildwüchsig Orte aneignet.

In einer Stadt, deren Status seit langem ungesichert ist, in der die Leute nur Gastspiele geben - in diesen, sich aus den Dualitäten ergebenden Spannungen besteht ein vitales Bedürfnis, sich auszudrücken. Die Stadt verlangt ständig nach Stellungnahme. Neutralität ist dort undenkbar. Daher der hohe Stellenwert des politischen Engagements, der künstlerischen Praxis sowie der Reflexion über die Umwelt. Die visuellen Paradoxe, in denen Berlin schwelgt, stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit Hélène Bernards. "Intakte" sowie "getroffene" Orte führen stets zu Gefühlen der Anziehung bzw. Abstossung. Die dichten, grauen Häuserblöcke mit der brutalen Präzenz blinder Mauern, diese mit Fabrik-Denkmälern durchsetzte Landschaft, die unvermutet ihre Masse in die Berliner Luft ragen lässt, all dies eingebunden in weite Räume, offenbart dem Auge einen befremdlichen Bezug zwischen Erde und Himmel.

Ein solches Bild ist in zahlreichen Vorortzonen von Metropolen anzutreffen. Es wirkt um so beunruhigender, als es von einer unvollendeten Stadt herrührt.